Was ist Selbst-vertrauen?

Aktualisiert: 23. Nov. 2020


Selbstvertrauen ist ein Begriff, der mir bereits häufiger in meinem Leben begegnet ist. Ich habe ihn nie reflektiert, doch fühlte ich immer seine Zugehörigkeit zu den anderen "großen" Begriffen in meinem Leben, wie Selbstbewusstsein, Stabilität, Stärke usw. Ich fühlte, dass es eine innere Qualität ist, eine die zu mir gehört, eine, die mir keiner geben kann. "Sich selbst vertrauen" war so nebulös. Ich wusste nicht, wie das gehen soll und wie sich das anfühlt, wenn ich mir selbst vertraue.

In meiner Jugendzeit habe ich oft Berührung mit diesem Begriff gehabt. Meine Lehrer meinten, ich solle mehr Selbstvertrauen haben. Es weckte einen Hoffnungsschimmer in mir, der sofort erlosch, weil ich nicht wusste, was sie damit meinen. Ich wusste nicht, wie das gehen soll. Also tat ich das, was ich kannte. Ich kritisierte mich weiter, um mir selbst zu zeigen, dass ich nicht gut genug bin und dass sich das auch nicht ändern wird.

Mein Denken, war schon ziemlich selbstzerstörerisch. Das weiss ich heute. Damals, war es ein gewohnter Gedankengang. Ein Pfad, den ich innerlich immer wieder lässig spazierte. Vielleicht habe ich auch so Aufmerksamkeit von den Lehrern bekommen. Sie wandten sich mir zu, hatten Mitleid und wollten mir was Gutes. Das genoss ich irgendwie.

So viel zur Jugendzeit, in der ich nicht viel von mir selbst und meinem Leben verstand. Ich hielt mich gedanklich selbst klein, zu Hause wurde der Rest von meiner Mutter und meiner Schwester erledigt. So passte ich in meine Familie. Es fühlte sich damals alles richtig an.


Rückblickend gab es eine Tätigkeit, der ich schon fast wie eine Abhängige nachging. Es war Volleyball. In der Halle mit meiner Mannschaft, beim Training und bei Wettkämpfen, habe ich mich alles andere als klein gefühlt. Meine Mädels mochten mich und ich mochte sie. Ich mochte ihre Anerkennung und die Anerkennung meines Trainers. Beim Volleyball habe ich nicht mehr gedacht, ich habe einfach gespielt. Es hat Spaß gemacht und die Zeit verflog sehr schnell. Der Zustand, den ich da hatte, ist für mich, wie eine Meditation. Es hat mich unglaublich kraftvoll gemacht.

Klar gab es auch Situationen, in denen nicht alles rund lief, aber interessanterweise lag mein Fokus mehr auf den Momenten, die toll waren. Es waren Momente in denen ich gefühlt Bundesliga-Niveau gespielt habe. Ich fühlte mich unbesiegbar! Ich wollte immer mehr von diesem Gefühl. Ein Gefühlsgemisch von Stolz, Dankbarkeit, Freude, Spaß, Leichtigkeit, Lebendigkeit, totale Verbundenheit mit der Situation und Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten.

Beim Volleyball spielen fühlte ich keine Zweifel, keine Angst. Ich vertraute meinem Körper alles so zu machen, wie ich es erwartete. Ich war mir meiner Fähigkeiten bewusst.

Und ich war wichtig. Ein wichtiger Teil einer Familie, die gemeinsam ein Ziel hatte. Wir trafen uns, weil wir es wollten, nicht weil wir mussten. Es war das wertvollste, was ich bis dahin in meinem Leben hatte.

Ausgestattet mit dieser Sicherheit, konnte ich mit viel Spaß, Freude und Leichtigkeit eine Menge lernen.


Ich möchte auch ein aktuelles Beispiel anbringen, in welchem sich für mich das Gefühl von Selbstvertrauen offenbarte.

Ich bin nun seit zwei Monaten selbstständig, als Dozentin und Coachin. Noch während meiner Ausbildung (NLP-Practitioner) konnte ich die Selbstständigkeit beginnen. Juhuuu! Das konnte ich auch, weil ich während meiner Ausbildung eine bereits tätige Coachin kennenlernte, die mir erzählte, wo sie ihre ersten Coaching Aufträge her bekam. So war ich innerlich ausgerichtet auf die Möglichkeit bei einem Bildungsträger zu arbeiten. Es machte mir Spaß mich so früh auf meinem neuen Weg zu vernetzen und viele viele Fragen zu stellen. Diese Coachin ist heute eine wertvolle Freundin für mich.


Beim entspannten suchen nach Jobs auf einer Jobbörse, fand ich eine Annonce von genau dem Bildungsträger, von dem mir meine neue Freundin erzählte. Ich bewarb mich unter höchstem Einsatz. Meine Freundin half mir sehr viel bei meiner Bewerbung. Es dauerte eine Woche, bis meine Bewerbung fertig war. Ich war ziemlich ungeduldig, doch mit neuen, schicken Bewerbungsbildern und einer Selbstpräsentation, wie ich sie noch nie auf Papier gebracht hatte, konnte ich meinen ersten größeren Erfolg in Richtung Coaching verzeichnen. Ich wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und direkt auf Honorarbasis eingestellt.

Nach zwei Monaten Einsatz bei dem Bildungsträger, gab es einen Wechsel auf der Leitungsebene. Die Kommunikation mit der neuen Leitung verlief anders und für mich weniger angenehm, als mit der letzten. Da ich als Freiberuflerin nur Monatsverträge bekam, und der zweite Monat sich dem Ende neigte, musste der Vertrag für den dritten Monat wieder fix rein. Die neue Leitung hatte mir glücklicherweise in einem ersten Telefonat eine Gehaltserhöhung angeboten, wenn ich meine Einsätze auch in eine andere Region verlagere. In diese Region musste ich weiter fahren. Da eines meiner neugesteckten Ziele war meinen Radius zu vergrößern, war das kein Problem.

Anfang meines dritten Monats hatte ich bereits doziert und auch schon Anfragen in der "neuen Region", wollte diese aber ohne Vertrag nicht so recht zusagen. Abgesehen davon, wollten sie mich in der neuen Region auch nur mit Vertrag sehen.

Also schrieb ich eine Email an die Leitung und bat um den Vertrag, damit ich dann eine Woche später meine ersten Einsätze in der neuen Region beginnen konnte. Die Leitung meldete sich weder telefonisch, noch elektronisch bei mir und ich fand 1,5 Wochen später immer noch keinen Vertrag in meinem Briefkasten.

Mittlerweile hatte ich mir überlegt doch nicht in die neue Region zu fahren. Ich war enttäuscht. Ich schrieb in den 1,5 Wochen der "Wartezeit" etwa 5 - 6 Bewerbungen und hoffte täglich auf eine Neuigkeit. Diesen Zustand konnte ich nicht gut aushalten. Ich beschloss auf meine bereits vorhandenen Coaching-Fähigkeiten zurückzugreifen und fragte mich dann selbst, was das positive an diesem Zustand sein konnte. Ich stellte fest, dass ich grundsätzlich viel Freizeit nicht abgeneigt bin. Ich bilde mich täglich weiter und mache etwa drei Ausbildungen parallel. Zudem mache ich 4 mal die Woche Sport und ich liebe es auszuschlafen. Des Weiteren kam zu der Zeit noch dazu, dass ich meinen Businessplan schreiben wollte um Gelder zu beantragen und ich habe eine Homepage an der ich bastel ;). Das positive zu sehen hat mir keine dauerhafte Freude über den Tag gebracht. Unterschwellig fühlte ich einen Druck, eine Frustration, es ging mir nicht schnell genug mit den Aufträgen. Ich dachte: "Ich habe Energie, ich habe Lust und das Wissen Menschen zu helfen und kann es nicht, weil keine Anfragen kommen." Mein Fokus lag also auf etwas Negativem. Ich habe mich abhängig gemacht und hing nun rum und wartete. Das machte mich unzufrieden und dabei wollte ich mich doch zufrieden fühlen.

Mein Fokus änderte sich, als ich ein kostenloses Online-Webbinar ansah zum Thema "wie werde ich negative Gedanken los". Vom Prinzip her war mir nichts neu, es gab jedoch eine Botschaft, die mich WIEDER erreichte: "Du kannst Deine Wünsche in die Welt schicken und dich damit gut fühlen und warten. Wenn sie aber nicht in Erfüllung gehen, dann sei nicht traurig oder wütend. Denn das wichtigste ist immer, dass du dich gut fühlst!" Ich erinnerte mich daran, dass ich an diesem Punkt bereits war. Egal was passiert, es wird passieren und es wird immer einen Weg geben. Ich werde damit zurecht kommen. Gefühlt fielen 10 Tonnen von mir ab. Ich habe mich so sehr an meine Wünsche und Erwartungen geklammert, weil ich mich besser fühlen wollte. Dabei hat gerade dieses Klammern und ewig Warten mich unglücklich gemacht. Ich verstand, dass ich alles bereits getan habe, alles vorbereitet habe, dass ich meine Samen in die fruchtbare Erde liebevoll hineingelegt habe. Jetzt ist es an mir zu vertrauen, dass ich die richtigen Samen gesät habe, dass meine Entscheidungen richtig und wichtig waren. Nun wachsen meine Samen. Ich muss nichts dazu tun. Die Erde, die ich vorbereitet habe ist fruchtbar und meine erlesenen Samen die richtigen. Der Prozess des Wachsens braucht seine Zeit. Wenn ich mich gegen die Zeit stelle, die das Wachstum benötigt, indem ich denke, dass es zu lange dauert, bekommen meine Samen nicht die Liebe, die sie benötigen um zu wachsen. Meine Aufgabe nach dem Säen ist es Liebe und Glück zu fühlen, egal wie, damit meine Schöpfung sich in voller Pracht präsentiert.

Nachdem mir das noch einmal klar geworden war, lernte ich loszulassen. Ich lernte geduldig zu sein. Ich lernte mir selbst zu vertrauen das richtige getan zu haben.

Einen Tag nachdem ich mich sonnte im Gefühl der Fülle, kam mein Vertrag.


Wie konnte ich also loslassen?

Erstens: "Ich habe alles Notwendige getan um meinen selbstgesteckten Zielen näher zu kommen!"

Ich habe Bewerbungen geschrieben, Telefonate getätigt, mich gekümmert und meine Wünsche geäußert.

Zweitens: "Es gibt immer einen Weg!"

Ich erinnerte mich, dass egal, was kommen mag, ich damit fertig werden kann. Es gibt immer einen Weg, und wenn es nicht dieser ist, ist es ein anderer. Wichtig ist, dass ich weiß, was und wohin ich will. Es hat ebenfalls gut getan, mir vor Augen zu führen, dass nur die Dinge zu mir kommen, die auch zu mir gehören.

Drittens: "Ich mache Sachen, die mich kraftvoll machen!"

Ich überlege mir, was mir gut tun könnte und tue es. So lenke ich mich wieder in positive Gefühlswelten.

Viertens: "Ich genieße das Gefühl, welches ich habe, wenn es mir gut geht!"


Mir ist im übrigen ziemlich bewusst, dass es Zeiten gibt, wo das auf den ersten Blick nicht leicht umzusetzen ist. Es sind Zeiten von Not. Diese Not kann aus der finanziellen Ecke kommen oder aus der gesundheitlichen. Wahrscheinlich gibt es noch weitere Nöte, die die Umsetzung des von mir vorgestellten Plans erschweren.

Wenn das der Fall ist, dann hilft es mir immer noch enorm, mich auf das Hier und Jetzt zu fokussieren. Das möchte gerne und viel geübt werden, vor allem, wenn jemand, so wie ich früher, sein Leben dauerhaft eher wie einen Film wahrnimmt.

Es gibt einige unterschiedliche Möglichkeiten im Jetzt zu sein und jeder hat seine eigenen Vorlieben. Zwei meiner Wege sind: bewusstes Atmen oder 30 min zu meditieren.

Im Hier und Jetzt liegt Frieden, Zeitlosigkeit, und auch Sorglosigkeit. "Keiner kann mir wegnehmen, dass ich jetzt lebe." Und das ist für mich ein ganz tiefes und unbeschreiblich kraftvolles Wissen.


Selbstvertrauen entsteht, so scheint es mir, immer dann, wenn ich mehr und mehr Dinge tue, die mir gut tun. Und je mehr ich diese Dinge tue, desto leichter kann ich schwierigen Situationen begegnen. Diese Dinge sind sehr individuell, denn jeder Mensch hat so seine eigenen Schätze, sei es kochen, kuscheln, malen, schreiben, Sport treiben, werkeln, und viele mehr. Wichtig ist diese Dinge nicht als "zu klein" oder "belanglos" abzutun, denn genau diese Dinge sind es, die Menschen in Kontakt kommen lassen mit der Quelle in sich, mit ihrer Kraft. Wenn ich Dinge tue, die ich mag und die mir Spaß machen, erschaffe ich mir eine Lebenszeit, die mir selbst und meinem Inneren Wesen entspricht. Ich kreiere und werde wirksam. Wirksam zu sein und selbstentschieden zu erschaffen, macht sehr stark und erhöht den Selbstwert und die Selbstachtung. Ich lebe meine ganz persönlichen Fähigkeiten und Stärken und entfalte meine Potenziale.





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