Was ist Loslassen!



Loslassen ist ein stets aktuelles und wichtiges Thema.

Ich möchte mir anschauen, was „loslassen“ ist und warum es immer noch Dinge, Menschen, Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen gibt, die wir nicht loslassen können.

(An dieser Stelle möchte ich einer Freundin danken, die mich angeregt hat, dieses Thema in meinen Blog mit aufzunehmen. Ich fühle mich wertgeschätzt und gesehen in meinem Denken und meiner Fähigkeit Sachverhalte und Zusammenhänge so darzustellen, dass sie Menschen auf verständliche und berührende Weise erreichen.)

Um Loslassen gut verstehen zu können, gehe ich das Thema von der anderen Seite an. Ich betrachte zunächst sein Gegenstück. So entsteht ein besseres Verständnis von dem, was Loslassen ist.

Was ist „Festhalten“?


Prinzipiell liegt es auf der Hand, dass „Festhalten“ das Gegenstück ist zum „Loslassen“.

Festhalten besteht aus zwei Worten, FEST und HALTEN. Beide Worte deuten auf einen Kraftaufwand hin, der auf Dauer anstrengend werden kann.

Wenn wir uns vorstellen, dass wir permanent eine Tasse gefüllt mit Tee festhalten würden, dann würden wir feststellen, dass es am Anfang noch recht leicht ist und es mit der Zeit immer schwerer wird die dafür nötige Muskelkraft aufzubringen. Wir müssen mehr und mehr Energie aufwenden um weiter festzuhalten. Nun ist es in dem Zusammenhang gut zu wissen, WARUM wir diese Tasse festhalten. Es muss einen Sinn dafür geben, sonst wären wir nicht motiviert eine mit Tee gefüllte Tasse über Stunden oder Tage festzuhalten. Wir würden endlich loslassen wollen, die Tasse abstellen um von der Kraftanstrengung befreit zu werden. Um endlich durchzuatmen und unseren Arm zu entlasten.

Offenbar kann der Prozess des Festhaltens nicht dauerhaft aufrechterhalten werden. Der Körper meldet sich durch unterschiedliche Symptome, wie z.B. Schmerzen, Lähmung, dem starken Wunsch eine Pause zu machen, einem schlechten Gewissen, Ungeduld, Unzufriedenheit und andere.

Diese Symptome können wiederum kurzfristig oder auch dauerhaft ausgeblendet werden, sodass der Prozess des Festhaltens doch noch weiter aufrecht erhalten werden kann.



Was kann alles festgehalten werden?


Prinzipiell können wir Menschen alles Mögliche festhalten: Gegenstände, Tiere, Menschen, Gedanken, Glauben, Vorstellungen, Verhaltensweisen und sogar Luft und Wasser. Wie lange der Prozess des Festhaltens aufrechterhalten werden kann, bevor er einzubrechen droht und sich eine Veränderung einstellt, ist unterschiedlich. Viele Menschen sind sehr ausdauernd und halten bis zu Ihrem Tode an bestimmten Vorstellungen, Glauben und Ansichten fest. Ob sie damit wirklich glücklich sind, ist ein anderes Thema.

Warum festhalten?

Wenn wir festhalten, dann fokussieren wir bewusst oder unbewusst einen konkreten Zweck. Wir entwickeln oder entdecken einen Plan, wie wir an diesen Zweck gelangen können und bleiben in der Ausführung dieses Plans verhaftet, solange wie er funktioniert.


Ein paar Beispiele:


Wenn ich als Kind viel und regelmäßig Gewalt erfahre, dann kann ich - aufgrund der unerträglichen Ohnmachtsgefühle und Hilflosigkeit, aber auch meiner natürlichen Intelligenz, die in jedem Menschen wohnt - eine Denk-, Fühl- und Verhaltensstrategie entwickeln, die es mir ermöglicht mein Ausgeliefertsein, meine Hilflosigkeit und meinen Schmerz so zu manipulieren, dass ich unter diesen grausamen Umständen doch überleben kann. Ich bekomme ein Gefühl von Kontrolle über die Situation, welches dem Gefühl der Ohnmacht entgegengestellt wird. An diesem halte ich fest, weil es mir hilft und funktioniert.

Es kann aber auch sein, dass ich gelernt habe allen um mich herum das Gefühl zu geben, sie seien sehr wertvoll, was mich zu everybody´s Darling macht. Diese Denk-, Fühl- und Verhaltensstrategie hilft mir an mein konkretes Ziel zu kommen Zuneigung und Anerkennung zu erfahren.

"Wir halten an erlernten Verhaltensweisen fest - manchmal ein Leben lang -, weil sie uns an ein konkretes Ziel bringen"

Ein weiteres Beispiel ist ein Festhalten an Gedanken, die keine schönen Gefühle erzeugen. Eifersucht ist ein ewiges Thema. Und Gedanken, die das Gefühl von Eifersucht auslösen, können sehr unterschiedlich sein. Das Gefühl der Eifersucht ist in seiner Essenz Angst. Und sobald diese Angst sich meldet, verhalten wir uns anders. Durch dieses Verhalten versuchen wir etwas zu bewirken. Meistens haben Menschen, die Eifersucht empfinden, Angst vor dem Verlassen werden. Sobald die Angst da ist, soll unser Verhalten entweder bewirken, dass wir nicht verlassen werden, oder es soll ein Zustand hergestellt werden, indem wir den Schmerz des Verlassen-seins nicht mehr so intensiv spüren. Das Gefühl von Kontrolle ist dabei zentral.

Das Festhalten an Vorstellungen, wie etwas zu sein hat, oder auf welche Art und Weise etwas funktionieren soll, ist ebenfalls eine Strategie, die dem Zweck dient sich mächtig zu fühlen.

Als Beispiel möchte ich hier den Wunsch vorstellen mehr Geld zu haben. Solange ich glaube, dass ich auf nur einem oder zwei Wegen an das Geld komme, welches ich mir wünsche, verschließe ich mich gleichzeitig für alle weiteren Möglichkeiten, über die dieses Geld auch noch zu mir kommen könnte. Ich bleibe unempfänglich für diese ausgeschlossenen Möglichkeiten, auch wenn sie sich direkt vor meiner Nase befinden, weil sie ausserhalb meines fokussierten Bereiches sind.

Es ist erstmal unwichtig, ob eine Strategie, die Denkprozesse und Handlungen miteinschließt, „gut“ oder „schlecht“ für uns ist. (Gut oder schlecht ist sehr kontextabhängig und subjektiv.) Wenn und solange sie funktioniert (uns also zu unserem Ziel führt), werden wir an ihr festhalten.

Wenn wir bestimmte Strategien lernen und wiederholen, weil sie funktionieren, verengt sich gleichzeitig unser Blick für andere Strategien, die uns möglicherweise zum gleichen Ziel führen würden. Wir stellen mit unseren Strategien sicher, dass wir unsere Ziele erreichen. Und je mehr unsere Ziele auf unseren ureigenen Werten basieren, desto mehr motiviert sind wir einen bereits bekannten Weg immer und immer wieder zu gehen. Denn wir wollen unsere Werte leben, damit wir uns wertvoll fühlen können.

Wir werden uns nicht einfach so auf neue Wege begeben, weil wir auch Sicherheits- liebende Wesen sind. Das gilt es zu respektieren und wertzuschätzen. Es ist enorm wichtig zu betrachten, dass wir durch ein bestimmtes Denken, Fühlen und Verhalten auch Sicherheit erfahren. Sicherheit ist ein Grundbedürfnis und dieses einfach so zu übergehen, würde uns in eine Situation bringen, die nicht lange attraktiv ist.

All unser Verhalten hat einen guten Grund und dient der Befriedigung unserer Bedürfnisse. Jeder Mensch ist anders motiviert und hält an für sich persönlich wichtigen Denk- Fühl- und Verhaltensmustern fest. Und zwar solange, wie die Bedürfnisse dadurch adäquat befriedigt werden.

Wir können aus diesen Gründen auch sehr stark an Dingen, also an Materiellem festhalten. Z.B. „schmieren“ wir uns teure Kosmetika ins Gesicht und auf den Körper, weil wir davon überzeugt sind, dass diese uns Schönheit bringen. Wenn wir schön sind, wertet uns das auf und unsere Mitmenschen reagieren freundlicher und zugewandter, so denken wir. Dahinter steckt der Wunsch geliebt und wertgeschätzt zu werden.

"Festzuhalten an Vorstellungen, Glauben, Verhaltensweisen oder Dingen kann uns ein Gefühl von Kontrolle und damit von Sicherheit geben"


Welche Probleme ergeben sich aus dem dauerhaftem Festhalten?

Schauen wir uns einmal die Beschaffenheit unserer Welt an. Unsere Welt ist eine Welt, in der es stets Veränderungen gibt. Alles ist dem Wandel unterworfen. Das schließt alle natürlichen Wesen ein.

Der Geist des Menschen ist ebenfalls bestrebt sich auszudehnen und zu wachsen. Um zu wachsen benötigen wir den dafür nötigen Raum. Dieser Raum sollte sowohl im Inneren vorhanden sein, als offenes und nicht starres Selbstkonzept, als auch im Äußeren.

Versuchen wir uns selbst zu lange (das ist sehr subjektiv) in Denk- Fühl- und Verhaltensmustern festzuhalten, werden wir feststellen, dass dieses Konzept langfristig betrachtet zum Scheitern verurteilt ist. Wir verändern uns und damit auch unsere Ziele! Und Strategien, die einst funktioniert haben, helfen uns irgendwann möglicherweise nicht mehr unsere neuen Ziele zu erreichen.

Es wird irgendwann anstrengend an Altem festzuhalten und die Funktionalität der alten Strategien beginnt aufzuweichen, weil unsere Äußere Welt (z.B. Menschen) von uns eine gewisse Flexibilität verlangt. Würde unser Geist nicht wachsen wollen, wie es seinem inneren Plan entspricht, könnten wir wohl rigide leben, aber so ist es nicht. Wir können nicht in rigiden Strukturen leben und erschaffen uns immer wieder Situationen, die uns die Möglichkeit geben unsere inneren Muster zu verändern. Das bringt uns an unsere Grenzen und der Akt des Fest- Haltens kostet uns enorm viel Energie.

Um im Fluss mit dem inneren Plan unseres Geistes und der Welt in der wir leben, zu bleiben, müssen wir loslassen. Jeder Mensch hat in seinem Leben bereits etwas losgelassen.

Immer dann, wenn wir nicht mehr die Kraft haben an etwas festzuhalten, seien es Gedanken, Gefühle, Verhaltensmuster, Dinge oder auch Menschen, entsteht in unserem Inneren der nötige Raum für das Wachstum unseres Geistes. Manchmal lassen wir einfach intuitiv los, ohne darüber nachzudenken, was bezeugt, dass der Akt des Loslassens ein natürlicher und wichtiger Akt ist.

Plötzlich entstehen neue Möglichkeiten um zu agieren und zu reagieren. Wir fühlen uns kraftvoll und frei. Wir sind motiviert nicht mehr das zu erleben, was wir bisher erlebt haben. Wir wissen nicht, was das Neue ist, was kommt, aber wir können Vertrauen fühlen in das, was kommen wird.

Plötzlich fühlen wir auch die Sicherheit in uns selbst, die wir so sehr brauchen und die zu fühlen vorher einen riesigen Energieaufwand bedeutet hat. Es passiert einfach durch die Klarheit nicht mehr diesen einen konkreten, absoluten Weg zu gehen, den wir bisher gegangen sind.

Was ist also „Loslassen“?

LOS- LASSEN kann bewusst initiiert werden. Wir können uns bewusst dafür entscheiden etwas loszulassen, aber wir brauchen die Unterstützung unseres Unterbewusstseins, damit wir mit voller Energie in eine Richtung gehen können.

Entschieden wir bewusst etwas loszulassen aber unser Unterbewusstsein hält noch daran fest, werden wir nicht erfolgreich sein. Wir brauchen die Unterstützung des Unterbewussten, sonst fühlen wir uns hin- und hergerissen.


Loslassen impliziert ein Vertrauen, Freiheit und den Raum für Alles.

Alles bedeutet nichts wirklich konkretes. Im Akt des Loslassens wird nicht ein bestimmter Weg anvisiert. Es gibt unzählige unbekannte Wege.

Etwas, jemanden, mich selbst, meine Gedanken, Gefühle und Verhalten „so-sein-lassen“ wie es, er, sie, ich, sie sind, befreit von der Illusion der Kontrolle. Loslassen befreit von der Vorstellung abhängig zu sein von bestimmten Menschen, von konkreten Plänen oder situativen Abläufen im Leben (z.B. Triggern). Alles darf sein.

Wir werden innerlich weit und offen und empfänglich für Neues. Was dieses Neue ist, bleibt undefiniert. Wir lassen unsere Vergangenheit einfach hinter uns und beginnen im Jetzt zu leben. Was wichtig ist, erscheint völlig klar und wir kommen in Kontakt mit unserer wahren Kraft. Wir kommen in Kontakt mit unserer Sinnhaftigkeit im Leben und dem inneren Plan unseres Geistes.

Wir leben im Fluss und wachsen und dehnen uns aus.

Was passiert mit unseren Werten, die durch das alte konkrete Verhalten gelebt werden konnten? Sind sie uns egal geworden?

Die Antwort ist „es kommt darauf an“! Wir lassen das los, was uns schmerzhaft, anstrengend oder nicht mehr passend erscheint. Wir können neben konkreten Handlungen, Gedanken, Glaubenssätzen auch Werte loslassen. Alles das, was nicht mehr funktioniert und passt, bzw. uns blockiert, nicht dem Plan unseres Geistes und nicht mehr unserem Selbstbild entspricht, kann losgelassen werden.

Es kann Werte geben, die wir aufgeben. Werte sind nicht nur „Freiheit, Frieden, Liebe“ usw. Werte können auch sein „Unsicherheit oder Unzufriedenheit“. Glaubenssätze, denen solche Werte zugrunde liegen wären z.B. „Ich muss mich vor Andersartigkeit in Acht nehmen“, „Ich bin unwichtig“, „Die Welt ist gegen mich“, „Die Menschen sind böse“, „Keiner hilft mir“, „Ich bin schwach“.

Es gibt auch Werte, die uns erhalten bleiben. Was wir aufgeben und loslassen könnten ist die Vorstellung davon, dass es nur einen Weg „nach Rom“ gibt. Also nur einen Weg diese noch wichtigen Werte zu leben. Wir finden im Zuge des Loslassens einen anderen Weg.


"Wird etwas losgelassen, entsteht Raum, in den etwas neues hineingefüllt werden kann.

Wir können wachsen!"

Um sich selbst gerecht zu werden, ist ein Mittelweg zwischen Festhalten und Loslassen ein guter Weg.

Im NLP wird das Selbst als ein Zustand verstanden, der sich fortwährend verändert. Um dieser Veränderung gerecht zu werden, sollten wir immer mal wieder überprüfen, ob das, was wir aktuell leben unseren Werten und unserem Selbst entspricht.

Festzuhalten ist an sich nichts Schlechtes, wir dürfen uns nur nicht darin verlieren. Sadh Guru predigt sich davor in Acht zu nehmen, sich mit Materiellem zu identifizieren. Beginnen wir uns mit Dingen, wie Autos, Häusern, Kleidung und Schmuck zu identifizieren, werden wir sehr unglücklich sein, denn diese Dinge sind vergänglich, gehen kaputt, werden verloren, gestohlen usw.. Auch unser Körper und unser Verstand, der alle Gedanken denkt, sind nicht wir selbst. Unser Körper zerfällt und unser Verstand trübt uns nur allzu oft. Gedanken kommen und gehen, wie Wolken am Himmel. Sich mit jedem Gedanken zu identifizieren würde uns in die Irre treiben.

Wir Menschen sind Wesen die sich ausdehnen möchten, aber wir sind auch Gewohnheitstiere und brauchen stabile und verlässliche Strukturen. Das hat einen biologischen Sinn und gegen diesen zu streben, wäre ebenfalls sehr energieintensiv. Sich immer wieder zu verändern und auf Neues einzustellen funktioniert auf Dauer nicht gut. Es wäre vergleichbar mit einem Sprinter. Wir können nicht permanent sprinten. Wir brauchen auch Pausen, um „besser“ zu werden, Gelerntes zu verinnerlichen, zu wachsen und uns mit neuer Energie zu versorgen. Gleichzeitig ermöglicht uns eine Pause auch hineinzufühlen und zu verstehen, wo wir grade stehen.

Grundsätzlich glaube ich (auch gemäß der Lehre des NLP) fest daran, dass jeder Mensch bereits alles in sich trägt, was er braucht um ein erfülltes Leben zu leben.

Der Grund dafür, warum, wir Dinge, bestimmte Menschen, Gedanken, Verhalten (noch) nicht loslassen können ist der, dass wir noch keinen anderen Weg gefunden haben auf all unsere inneren Schätze zuzugreifen.

Unser JETZT offenbart uns immer das IST. Es ist das beste was wir zum jetzigen Zeitpunkt leben können. Wir können jederzeit Veränderungen vornehmen und lernen besser mit uns und unseren Bedürfnissen in Kontakt zu kommen um unseren besten Lebensweg Stück für Stück zu kreieren.

Für alle Fragen und Anregungen stehe ich gerne zur Verfügung.

Falls Du einen Termin mit mir für ein Einzelcoaching oder auch eine Paarberatung wünscht, kontaktiere mich einfach über das Kontaktformular!

Ich freue mich auf Dich.


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